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Parkinson- Unterstützung durch TCM

Sich einschleichende Müdigkeit, Beschwerden und Steifheit in den Gelenken, Schwindel, müde Beine, Gang- und Sehstörungen sollten nicht nur auf die leichte Schulter genommen werden. Es könnte sich auch um die ersten Symptome von Morbus Parkinson handeln.

Wie kann die TCM begleiten und unterstützen?

Westliche Medikation, Akupunktur und chinesische Phythotherapie lassen sich gut kombinieren. Nebenwirkungen der Schulmedizin können abgemeildert werden. Freilich wird dadurch die Frage erschwert, was denn nun wie geholfen hat. Bei diesem integrativen Ansatz stellen die Arbeiten von Sabine Ritter eine wichtige Schnittstelle dar, um die Verträglichkeit der verschiedenen Stoffe abzustimmen (Siehe Literaturliste). Gerade die Akupunktur kann Symptome lindern und auch ursächlich unterstützen. Wichtig wäre desweiteren die Abklärung von vorhandenen Noxen und das Ausschließen eines medikamentös ausgelösten sekundären Parkinson.

Als erste Schritte wird das Vermeiden von emotionalem Stress und Überarbeitung, das Herunterfahren eines anstrengenden Alltags, das Einlegen von Ruhepausen empfohlen ebenso wie für Männer das Reduzieren der Ejakulation beim Sex, um „Jing“,die sogenannte Essenz der Nieren, zu schonen. Auch bei sportlichen Betätigungen ist darauf zu achten, dass nicht bis an die Belastungsgrenze trainiert wird. Die Batterie soll halb voll bleiben. Anderweitige Exzesse „drugs, sex and rock´n roll“ gehen ebenfalls auf Kosten unserer Lebensbatterie oder auf „das Meer des Qi“ wie die TCM sagen würde.

Die Chinesische Medizin denkt ja in sich verschränkenden Mustern, die sie als Bilder der Natur/ Wandlungsphasen entnommen hat.

Bei Parkinson ist bei allen möglichen Mustern der pathogene Faktor Wind beteiligt, der für die vordergründigen Symptome wie den Tremor verantwortlich ist.

Schon das Ausleiten des Windes lindert die Symptome, geht aber nicht an die Ursachen des Ungleichgewichts.

Alle mit * gekennzeichneneten Pflanzen finden Sie in meinem Kräuterbuch (Winckler 2017) ausführlicher porträtiert. Die Kennzeichnung** bedeutet, dass Sie die Pflanze bald in meinem Blog winckler-tcm.de beschrieben finden.

Folgende Punkte, Pflanzen und Tiere unterstützen das Ausleiten des Windes und werden mit den Empfehlungen der Muster kombiniert:

Le 3 unterdrückt nicht nur den Leber-Wind, sondern nährt auch das Leber-Yin, welches das Yang verankern kann und somit dem Entstehen von Wind entgegenwirken kann. Le 3 bringt die Energien in Schwung und wird quasi bei jeder Akupunkturbehandlung gestochen. Es gibt wenig Menschen, die nicht von seiner Behandlung Gutes erfahren. Nähren und Bewegen zugleich ähnlich wie die weiße Pfingstrosenwurzel* und die Petersilienwurzel*. „Also ganz großes Kino“, wie so manche sagen würden. Manchmal fühlt es sich auch an, wie in ein Wespennest zu stechen, damit dann die Ruhe einkehren kann. Nicht die Schläfrigkeit, sondern das klare Wasser, in dem wir wieder erkennen können, was am Boden liegt oder wo wir hin wollen. Nicht getrieben sein, aber doch in Bewegung/ Veränderung kommen. Kurzum: Er vermag stagnierendes Leber-Qi zu lösen…

GB 34 vertreibt Wind und pustet unsere Gelenke kräftig durch. Die Gallenblase setzt die Bewegung der Leber fort, führt sie aus. Manchmal beginnen die Hüften und Knie auch deshalb zu schmerzen, weil sie nicht dahin können, wohin wir eigentlich wollen. Nicht Bewegen kann schmerzvoller werden als Bewegen. Und dann lässt es sich irgendwann nicht mehr unterscheiden. Der Wind treibt uns um, verwirrt uns. Raus damit!

Di 11 und Di 10 bahnen an, was in Di 4 beginnen und in Di 18 enden kann: das Auflösen von destruktiven Energien.

Di 18 wird bei Sprachstörungen sediert. Di 18 wirkt auch wie ein Resetknopf in unserem Leben. Der Dickdarm kann entscheiden, was nun endgültig gehen darf. Das Verharren in destruktiven Glaubenssätzen kann hier aufgebrochen werden und aus der Sprachlosigkeit wieder zurück ins leben bringen.

SJ 5 versieht nicht nur die Zellebene mit neuen Informationen in Kombination mit Pe 6, sondern ist einer der großen Vertreiber von äußeren Einflüssen.

GB 20 in Kombination mit Di 4 verteibt wieder den Wind.

Bei Rigor und Tremor der Arme unterstützen folgende Dickdarmpunke: 4, 10, 11,14 und 15.

Bei Rigor und Tremor der Beine: Ma 31,36 und 41, Gb 30.31 und 40, Bl 36,40 und 51

Ma 9 reguliert die Energieverteilung. Und wird eingesetzt, wenn es eine Fülle oben und eine Leere unten gibt.

Die Weinraute (Ruta graveolens) *stützt und bewegt das Leber-Qi. Sie schmeckt seifig und bitter im Nachgeschmack. Apothekenpflichtig ist sie kaum noch zu bekommen.

Lumbricus (chin. Di long) beseitigt den Wind und hebt Stagnationen auf. Der gute alte Regenwurm durchwühlt nicht nur die Erde sondern auch unsere Leitbahnen. Er bricht sogenannte Blutstasen auf.

Nur der Vollständigkeit halber sollen weitere Tiere mit der Qualität des Windvertreibens genannt werden: der Skorpion, der Hundertfüßler und die durch einen bestimmten Pilz mumifizierte Seidenraupe.

Ramulus Uncariae cum Uncis (chin. Gou teng) unterdrückt ebenfalls den Leber-Wind.

Den Wind bedingend kommen mindestens folgende Muster in Frage:

Qi- und Blutmangel, Schleim-Hitze erregt Wind oder Leber- und Nieren-Yin-Mangel.

  1. Qi- und Blut-Mangel

Der Mangel an Qi zeigt sich an Antriebsarmut, jeder Schritt fällt schwer. Mensch fühlt sich kraftlos und erschöpft. Der Blutmangel ist die bleierne Müdigkeit, die auch beim bewegen nur unmerklich besser wird. Dazu kommt noch eine innere Unruhe und das gepaart oft mit Schlafstörungen, so dass auch beim Schlafen kein Auftanken stattfinden kann. Hier braucht es Stärkung der Basis. Dafür eignen sich folgende Punkte, Pflanzen und Ernährungsempfehlungen:

Ma 36 stabilisiert und gibt uns Halt in dieser Welt .„Mit beiden Beinen im Leben stehen“ kann die Quintessenz dieses Punktes lauten und zeigt seine Wichtigkeit bei Gangstörungen. Der Magenmeridian ist zuständig für die Vorderseite und deren Aufrichtung und kann bei der möglichen gebeugten Haltung der an Parkinson-Erkrankten unterstützen.

Die Yin-Partnerin Mi 6 vereint und stärkt die Kräfte von Niere, Leber und Milz.

Ren 4 ist zum Anknüpfen an die Ursprungsenergie.

Le 8 ist oft sehr sensibel. Als Wasserpunkt auf einer Holz-Leitbahn wirkt er nährend, hier insbesondere auf das Leber-Blut, das für eine gute Sicht essentiell ist. Sehstörungen können als erstes Symptom von Parkinson auftreten.

Ernährung:

Gekochte Hühnersuppe mit frischer Petersilie

baut das Blut auf und ist deshalb nicht nur im Wochenbett geeignet, sonder auch bei allgemeiner Erschöpfung.

Reduzieren Sie bitte scharfes und schwerverdauliches Essen. Legen Sie aber auch keine Fastenstunden ein. Das Qi ist nach einem halben Tag Fasten verbraucht und nun soll ja Qi dazugewonnen werden. Es ist nicht die Zeit für eine Diät, sondern für eine Kost mit viel gekochtem Gemüse und auch etwas Fleisch von Huhn oder Rind. Wenn Sie vegan leben, braucht es ausreichend Hülsenfrüchte und viele Samen und Nüsse. Würzen Sie reichlich mit frischer Petersilie*.

Radix Angelicae sinensis (Dang gui) nährt und bewegt das Blut. Gerade bei veganer Ernährung eine wichtige Pflanze, um das Blut aufzubauen.

Radix Paeroniae alba (Bai shao) hat auch die Fähigkeit, Blut zu bilden und in Bewegung zu bringen. Sie ist kalter Natur und braucht daher in der Rezeptur leicht wärmende begleitende Pflanzen.

  1. Schleim-Hitze erregt Wind

Bei diesem Muster steht der pathogene Faktor in Kombination mit Hitze im Vordergrund. Die Hitze kann auch durch langanhaltende Stagnation entsanden sein. Erkennbar an einem fetten gelben Zungenbelag bei einer geröteten Zunge. Die Person kann zu Agitiertheit und Zorn tendieren. Im Körper kann es oben heiß und unten kalt sein, da die Hitze nach oben steigt und der untere Körper nicht genügend erwärmt wird.

Elementar ist eine schleimreduzierende Ernährung (nicht scharf, nicht fettig, nicht zu süß, viel Gekochtes, Hirse).

Punkte und Pflanzen:

Ma 40, Mi 6 und Mi 9 sedierend genadelt lösen Schleim auf.

Ren 12 und Bl 20 stärken die Milz, damit diese Schlein reduzieren kann.

Le 3 sediert Wind (s.o.)

Bei der Kombination der Heilpflanzen ist darauf zu achten, dass nicht nur kalte Kräuter verordnet werden, da die Milz ansonsten weiter geschwächt werden würde. Es braucht aromatische Pflanzen wie beispielsweise Kardamon.

Die TCM Rezeptur Tian ma gou teng yin passt, wenn bereits Hitze sich entwickelt hat und ein roter Zungenkörper vorliegt. Ploberger ersetzte sie durch foilgende westliche Kräuter :

Olivenblätter (Folium Olivae)

beruhigen den Leber-Wind und besänftigen das aufsteigende Leber-Yang. Kombiniert und verstärkt werden können sie durch den Löwenzahn* (Taraxaci Hb. et Rx.) als Kraut und als Wurzel. Wenn die Wut um die Ecke schaut, am besten gleich Löwenzahn zum Knabbern anbieten! Der bittere Geschmack leitet die Energie nach unten.

Auch an heißen Tagen erfrischt er ungemein, da er sehr kühlend wirkt.

Auch Frauenmantel* (Alchemillae vulgaris) und Melisse*( Fo.Melissae) kühlen , haben aber auch einen Milz-Qi stärkenden Aspekt.

Odermennig (Hb. Agrimoniae) leitet Feuchte-Hitze aus.

Zum psychischen Ausgleich findet sich noch die Passionsblume ( Hb.Passiflora) in der Rezeptur.

Mariendistelfrüchte* (Fr.Cardui Mariae) zusammen mit Vogelmiere* (Herb. Stellariae mediae) schützen auch das Yin, damit es beim starken Ausleiten nicht verletzt wird. Sie tonisieren und klären die Leber. Es gibt sie auch als hochdosiertes Präparat auf Verschreibung .

Ploberger hat noch den Ockergelben Hohlzahn** (Hb. Galeopsidis) dazugegeben, um die Yin-Energien von Niere, Lunge und Magen zu schützen. (Ploberger 2006:156).

  1. Leber- und Nieren-Yin-Mangel

Es gibt einen Vorlauf eines konsumierenden Lebenswandels dh viel Arbeit, viel über die Grenzen gehen und wenig Erholung. Große Erschöpfung bei innerer Unruhe und Getriebensein scheinen sich auszuschließen, bedingen sich jedoch. Menschen verlangen zu viel von sich und ignorieren ihre Körpersignale. Es braucht das Innehalten nach Erfolgen und auch nach Misserfolgen. Im Schlaf findet die Regeneration statt.

Punkte und Pflanzen:

Bl 18 und Le 8 nähren das Leber-Yin.

Bl 23 und Ni 3 stärken die Nieren-Energie.

Brennnesseln* sind ein starkes Leber-Blut -Tonikum, wenn sie auf zweierlei Art zubereitet werden. Sie müssen entweder 10 Minuten geköchelt werden. Oder die Brennnesseln werden in ein Weckglas gegeben , mit kochendem Wasser übergossen und dann über Nacht im geschlossenen Glas stehengelassen. Dadurch wirkt die Pflanze nicht mehr diuretisch, sondern die zahlreichen Nährstoffe werden freigesetzt.

Mariendisteln* (s.o.)

Literatur:

Focks, C./ Hillenbrand,N.(Hg.), 1. Aufl.(1997): Leitfaden Chinesische Medizin. Elsevier.

Maciocia,G.(1997): Die Praxis der chinesischen Medizin. Verlag für Ganzheitliche Medizin. Bad Kötzting.

Ploberger, F.(1.Aufl.2006): Westliche und traditionell chinesische Heilkräuter.Urban& Fischer.

Ritter,S.(2016): Arzneimittelwirkungen aus Sicht der Chinesischen Medizin. Verlag Müller& Steinicke. München.

Ritter,S. (2019): Arzneimittel-Interaktionen in der Phytotherapie. Wechselwirkungen mit chinesischen und westlichenArzneipflanzen erkennen – verstehen – vermeiden. Verlag systemische medizin. Bad Kötzting.

Winckler, N. (2017, 2.Auf): Thymian, Brennnessel und Karotten… .BoD, Norderstedt.